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Dienstag, 12. Januar 2010

Patiententypologie Teil drei: Die Jammernde

Die jammernde Patientin

Erkennbar an: Den ganzen Tag Aerzten, Pflegepersonal und vor allem (!) Premiumpatientin ihre Lebensgeschichte zu erzaehlen, die meistens sehr schrecklich ist. Moegliche Elemente: Krieg, Nachkriegszeit, DDR-Zeit, Armut, verstorbene Angehoerige. Sollte das nicht reichen, wird wahlweise auch noch die Lebensgeschichte der Mutter, des Ehemanns oder des Sohnes erzaehlt. Was halt gerade schrecklich genug ist.
Ausserden spart die Jammernde natuerlich nicht aus, wie schlecht es ihr im Moment geht.

Visite:
Stationsarzt: Guten Tag, wie geht es Ihnen?
Jammernde: Grauenhaft. Ganz schrecklich, Herr Doktor, ganz schrecklich.
Stationsarzt: Hm. Haben Sie Schmerzen?
Jammernde: Ja. Ganz schrecklich, Herr Doktor, ganz schrecklich.
Stationsarzt: Wie sind die Schmerzen denn? Stechend....
Jammernde: Ja!
Stationsarzt:...oder eher drueckend...
Jammernde: Ja, auch!
Stationsarzt:...oder eher brennend?
Jammernde: Ja, brennend auch. Ganz schrecklich, Herr Doktor, ganz schrecklich.
Stationsarzt: Hm. Uebelkeit, Erbrechen?
Jammernde: Ja, beides. Andauernd.
(Spaetestens jetzt denkt Premiumpatientin: Ach ja? Das mit den Schmerzen kann sie selbstverstaendlich nicht beurteilen, auch wenn die Jammernde sich tagsueber nicht gerade kruemmt vor Schmerzen. Aber Erbrechen haette sie ja nun wirklich mitkriegen muessen. Naja.)
Jammernde: Wissen Sie, Herr Doktor, das ist ja nicht das einzige. Damals, nach dem Krieg...
In diesem Moment weiss Premiumpatientin schon, was jetzt kommen wird. Sie steht auf und will das Zimmer verlassen.
Stationsarzt (mit einem Blick, der sagt: "Lass mich nicht alleine mit der!"): Gehen Sie nicht! Zu Ihnen will ich auch noch, Premiumpatientin.
Premiumpatientin: Ja, aber ich kenn die Geschichte schon. ICh warte draussen und Sie sagen mir bescheid, wenn Sie Zeit fuer mich haben.
Premiumpatientin dreht sich schnell zur Tuer, um dem hilflosen Blick des Stationsarztes zu entgehen, und verlaesst das Zimmer. Denn alles muss sie sich ja auch nicht antun.

Hier gehts zu Teil eins und Teil zwei der Krankomat Patiententypologie.

Mittwoch, 11. November 2009

Patiententypologie Teil Eins: Die Faule

Da Premiumpatientin keine Privatpatientin ist, liegt sie, wenn sie im Krankenhaus ihres Vertrauens ist, in der Regel in einem Zwei- oder einem Vierbettzimmer. Waehrend ihrer langjaehrigen Erfahrung und konsequenten Beobachtung hat sie unter ihren Mitpatientinnen (in der Regel alte anstrengende Frauen) verschiedene Patiententypen ausgemacht. Hier Teil Eins.

Die faule Patientin

Erkennbar an: Den ganzen Tag im Bett liegen, immer wieder kurz einnicken und dabei laut schnarchen. Manchmal fernsehen. Dabei aber auch immer wieder einnicken.
Die Physiotherapeutin kommt.
Physio: Und, wollen wir mal aufstehen?
Faule: Achnee, jetzt fuehle ich mich gerade ganz schlecht, nee.
Physio: Ja dann komm ich spaeter nochmal.
(Beim naechsten Besuch der Physio stellt sich die Faule tief schlafend.)
Die Visite kommt.
Arzt: So, also von ihren Blutwerten und Ergebnissen, sieht eigentlich alles ganz gut aus. Wir koennen Sie bestimmt bald entlassen.
Faule: Nein, Herr Doktor, mir gehts aber noch gar nicht gut.
Arzt: Hm.
Faule: Ich hab doch zuhause einen Haushalt zu fuehren, das schaff ich doch so gar nicht.
Arzt (denkt: Mann ey, ich brauch doch das Bett): Hm.....was ist denn das? Haben Sie immer noch Ihren Harnkatheter? Den koennen wir aber wirklich jetzt ziehen.
Faule: Aber dann muss ich ja aufstehen, wenn ich zur Toilette muss, das schaff ich doch noch gar nicht.
Arzt (denkt: da hab ich jetzt keinen Nerv fuer. Ich sag der Schwester einfach, dass sie das Ding ziehen soll wenn ich raus bin, damit die keine Diskussion mehr mit mir anfangen kann): Hm. Ja. Schaun wir mal.
Wenn die Schwester kommt, behauptet die Faule steif und fest, der Arzt haette gesagt, dass der Katheter bleibt. Der Arzt ist schon im OP, und die Schwester hat keine Lust, jemandem, der nicht will, den Katheter rauszuziehen. Also geht sie wieder.
Spaeter kommt dann die Tochter zu Besuch.
Faule: Weisst Du was der Arzt heute gesagt hat? Dass er mich bald entlassen will. Ich bin doch noch so schwach. Und die wollen mich einfach fuer die Tuer setzen. Diese korrupten Aerzte!
Tochter:Na, das geht natuerlich nicht. Ich rede nochmal mit dem Arzt.

Tochter redet mit Arzt, Arzt hat keine Lust sich mit der Tochter anzulegen (da sowohl Toechter als auch Muetter von Patienten eine echte Qual fuer Aerzte sein koennen, weil man nicht mit ihnen diskutieren kann). Arzt beschliesst, die Faule noch ein paar Tage auf Station zu lassen. Dann geht das ganz Spiel von vorne los.